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Artikel Berliner Zeitung - Meine Woche: "Es juckt wie Sau, pausenlos"

Dienstag, 19. März 2013

Martin Metz, Professor für Juckreizforschung, an seinem Schreibtisch.
Foto: Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann

Jeden Montag berichten hier Menschen, wie sie ihre Woche gestalten. Dieses Mal: Martin Metz, Juckreizforscher.

Ich heiße Martin Metz, ich bin vierzig Jahre alt, Dermatologe an der Charité und habe seit dem vergangenen Jahr eine Professur für Juckreizforschung. Juckreiz betrifft wahnsinnig viele Menschen, 15 bis 20 Prozent aller Deutschen leiden irgendwann mal in ihrem Leben unter chronischem Juckreiz, also Juckreiz, der länger als sechs Wochen am Stück besteht. Klassischerweise ist das Neurodermitis, die juckt wie Sau, aber es gibt viele Erkrankungen, die mit Juckreiz einhergehen, oder gar keine andere Erkrankung sind als Juckreiz selbst.

Es gibt Patienten, da sieht man nichts auf der Haut, nur die Kratzspuren, und man denkt: Dann kratz’ halt nicht. Wenn man selbst Juckreiz gehabt hat, weiß man: Man muss kratzen, das geht nicht anders. Es haut nicht hin zu sagen: Hör auf damit. Dann kriegen die Betroffenen nur noch ein schlechtes Gewissen. Psyche und Stress sind als alleinige Ursachen für Juckreiz extrem selten. Viel öfter ist es, dass Ärzte, Kollegen, Freunde denken: Mensch, das ist doch wegen deiner Psyche. Die Betroffenen sind auch fertig von dem Juckreiz. Sie sind gestresst, depressiv, gereizt.

Ich sehe solche Patienten jeden Montag, Dienstag und Mittwoch. Wir fragen erstmal, seit wann der Juckreiz da ist, wann er auftritt, ob er immer da ist oder nur wochenweise, nur nachts oder nur tagsüber. Wenn notwendig, weisen wir den Patienten stationär zur Ursachenforschung ein und zur Therapie.

Die wichtigsten Fälle, die wir sofort aufnehmen, sehen ganz schlimm aus. Aber nur, weil die aufgekratzt sind. Die Krankheit heißt Prurigo, von Pruritus, lateinisch für Juckreiz. Bei diesen Patienten werden im Körper juckreizbildende Substanzen gebildet, die eine Aktivierung der Nerven bewirken, die dem Körper sagen, dass da etwas ist, das juckt. Pausenlos. Diese Fälle sind tragisch und in der Therapie unheimlich schwierig. Es gibt kaum eine Krankheit, die die Lebensqualität so massiv einschränkt wie Prurigo, weil es nicht nur das Symptom ist, das den Patienten fertig macht, sondern Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen. Die Leute schämen sich, gehen nicht mehr aus dem Haus, erscheinen nicht bei der Arbeit, verlieren ihren Job.

Ich sehe auch noch andere Patienten, donnerstags in der allgemeinen dermatologischen Sprechstunde und täglich im Konsildienst. Das bedeutet, ich werde beratend zu Patienten mit einem unklaren Hautbild dazugerufen, die auf der Gastroenterologie oder sonst wo liegen. Außerdem sehe ich Studienpatienten und Studenten, drei bis vier Stunden Minimum die Woche. Und damit ist meine Woche ganz schön voll.

Das Verständnis zu haben, dass man mit dem Kratzen nicht aufhören kann, hilft den Patienten schon, auch wenn wir sie gar nicht heilen können. Es gibt nämlich noch kein einziges Medikament, das für die Erkrankung Juckreiz zugelassen ist. Wir haben schon Medikamente, die gut wirken, aber die kommen aus einem komplett anderen Bereich. Medikamente für Allergien werden allgemein dazu genommen. Das am besten wirksame Medikament ist zurzeit eines, das eigentlich bei Epilepsie eingesetzt wird. Ein anderes Medikament ist ein Medikament, das Drogenabhängigen im Entzug gegeben wird. Das ist natürlich ein bisschen komisch für den Patienten. Denkt der Arzt jetzt, dass ich drogenabhängig bin?

Unsere Hoffnung ist, dass es klar wird, dass Juckreiz eine wichtige Erkrankung ist wie Schmerz, und dass Juckreizmittel auf den Markt gebracht werden, so wie Schmerzmittel, da wundert sich ja auch keiner.

Notiert von Annett Heide.

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